Diabetes – Ernährungsumstellung als Chance

Diabetes – Ernährungsumstellung als Chance

Haben Sie Diabetes? Sind Ihre Blutzuckerwerte auffällig? Oder haben Sie Angst, einmal Diabetes zu bekommen?

Dann sollten Sie JETZT Ihre Ernährung und Ihren Lebensstil überprüfen und etwas ändern! Denn: kaum eine Erkrankung lässt sich so gut über Ernährung und Bewegung beeinflussen wie Diabetes!

In diesem Blogbeitrag möchte ich Ihnen kurz den aktuellen Wissenstand zur Behandlung von Diabetes erläutern und zeigen, welchen Chance eine Ernährungsumstellung bietet.

Diabetes: Häufigkeit und Formen

Die Anzahl der Menschen, die an Diabetes mellitus (oft auch als „Zuckerkrankheit“ bezeichnet) erkranken, hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Inzwischen sind knapp 10 Prozent der Deutschen betroffen, Tendenz: steigend. Und nach wie vor gibt es viele Menschen, die gar nicht wissen, dass sie erkrankt sind.

Die häufigste Form ist der Diabetes mellitus Typ 2, früher auch als „Altersdiabetes“ bezeichnet. Inzwischen tritt er aber vermehrt auch bei jungen Menschen auf. Diese Form des Diabetes geht auf eine Unempfindlichkeit der Zellen auf das Speicherhormon Insulin zurück (=Insulinresistenz) und/oder geht mit einem Insulinmangel einher. Auf die Entstehung des Typ-2-Diabetes haben Veranlagung, Lebensstil und Umwelteinflüsse Einfluss.

Im Kindes- und Jugendalter stellt der Diabetes mellitus Typ 1 die häufigste Stoffwechselerkrankung dar. Er ist in der Regel auf eine Autoimmunerkrankung zurück zu führen. Tritt ein Diabetes erstmals in der Schwangerschaft auf, wird er als Gestationsdiabetes bezeichnet.

Diabetes in der Corona-Krise

Immerhin, seit Beginn der Corona-Pandemie hat insbesondere der Diabetes mellitus Typ 2 an Aufmerksamkeit hinzugewonnen. Als ein Hochrisikofaktor für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion gilt dabei vor Allem ein unentdeckter oder schlecht eingestellter Diabetes mit Begleiterkrankungen. Infolgedessen wird insbesondere in den Hausarztpraxen nun verstärkt auf die Blutzuckerwerte von Patienten geachtet.

Wichtig zu wissen: Diabetes mellitus alleine erhöht das Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion nicht! Bei guter Einstellung, angepasstem Lebensstil und ohne weitere (Folge-)Erkrankungen, ist das Risiko als normal eingestuft. Zudem unterscheidet sich auch die Infektionsgefahr nicht von der gesunder Menschen! (Quelle: https://www.diabetes-ratgeber.net/Coronavirus)

Dass die Anzahl der Diabetiker sowie auch die Angst vor Diabetes ansteigt, bemerke ich nicht zuletzt im Praxisalltag. Die Anfragen für eine Ernährungsberatung bei beginnendem Diabetes oder Insulinresistenz haben in den letzten Monaten stark zugenommen. Und gerade in diesem ganz frühen Stadium der Erkrankung lässt sich oftmals noch die Reißleine ziehen – mit Ernährungsumstellung und Lebensstiländerung. Dadurch kann in vielen Fällen eine medikamentöse Therapie verhindert oder zumindest verringert werden. Aber auch wenn eine medikamentöser Therapie durchgeführt wird, ist eine Ernährungs- und Lebensstilumstellung als Basistherapie notwendig.

Behandlungsansätze bei Diabetes

Inzwischen wurde erkannt, dass viele gängige Empfehlungen nicht mehr zeitgemäß sind. Der weit verbreitete Ansatz, Zucker „wegzuspritzen“, ist insbesondere bei Typ-2-Diabetes keine sinnvolle Therapie. Und auch die Empfehlung „Sie können ganz normal essen“ ist in den meisten Fällen wenig hilfreich.

Je nachdem, ob ein Typ 1- oder Typ-2-Diabetes vorliegt und welche Ursachen zugrunde liegen, ist die Behandlung unterschiedlich angelegt. Und deshalb muss auch die Ernährungsumstellung individuell erfolgen. So stehen zum Beispiel bei Übergewicht die Gewichtabnahme im Vordergrund, bei Insulinmangel die korrekte Berechnung der Kohlenhydrat- und Insulinmenge und bei Insulinresistenz die Mahlzeitenhäufigkeit. Nach wie vor gibt es keine pauschale Diabeteskost, die für alle passt. So unterschiedlich wie die Lebensumstände und Gewohnheiten jedes Einzelnen, so unterschiedlich sind auch die Empfehlungen und Möglichkeiten. Als erfahrene Ernährungsfachkraft unterstütze ich Sie gerne auf Ihrem Weg, die für Sie zielführenden Empfehlungen umzusetzen. Denn über die Ernährung haben Sie gerade bei Diabetes eine hervorragendee Chance, die Erkrankung positiv zu beeinflussen.

Folgende Ansätze können Bestandteil der Ernährungsberatung bei Diabetes sein:

  • Gewichtsabnahme
  • Anpassung oder Einschränkung der Kohlenhydratzufuhr
  • Erhöhung der Ballaststoffzufuhr
  • Aufbau einer Mahlzeitenstruktur
  • Verbesserung der Lebensmittelauswahl
  • optimale Nährstoffversorgung
  • Durchführung von Hafertagen (siehe nächster Abschnitt)
  • Veränderung der Essgewohnheiten (z.B. langsamer essen)
  • Erhöhung der Alltagsaktivität
  • Sport
  • Entspannung / Stressmanagement
  • Medikation
  • Berücksichtigung von weiteren / Begleiterkrankungen

Übrigens zeigt sich der Erfolg einer Ernährungsumstellung bereits innerhalb weniger Wochen in den Laborwerten!

Comeback der Hafertage

Die bereits zu Beginn des 20. Jahrunderts entwickelte „Haferdiätkur“ war lange Zeit in Vergessenheit geraten. Doch in den letzten Jahren wurde die nun als Hafertage bezeichnete Haferkur wiederentdeckt und ihre Wirksamkeit wissenschaftlich bestätigt. Ziel der Hafertage ist es, die Empfindlichkeit der Zellen für Insulin wieder zu erhöhen. Verantwortlich für diesen Effekt ist neben der stark eingeschränkten Kalorienzufuhr ein im Hafer enthaltener Ballaststoff (Hafer-Beta-Glukan). Dieser kann bei ausreichender Aufnahme auch den Cholesterinspiegel senken. In Absprache mit dem Patienten und unter Berücksichtigung der Medikation kann eine individuelle Ausgestaltung der Hafertage erfolgen.

Nachfolgend finden Sie ein Basis-Rezept für eine Hafermahlzeit. Sie können diese nach Belieben z.B. einmal täglich in Ihren Speiseplan einbauen. Wenn Sie eine Haferkur (fast ausschließliche Zufuhr von Haferflocken) in Erwägung ziehen, sollten Sie jedoch mit Ihrem Arzt sowie einer qualifizierten Ernährungsfachkraft sprechen, um mögliche gesundheitliche Risiken (u.a. Unterzuckerungen) zu vermeiden!

Hafermahlzeit

das Basis-Rezept für Hafertage
Gericht: Frühstück, Hauptgericht
Keyword: kalorienarm, vegetarisch
Portionen: 1 Portion
Kalorien: 290kcal

Zutaten

  • 500 ml Wasser
  • 75 g Haferflocken
  • 25 g Beeren / Kiwi / Papaya

Anleitungen

  • Das Wasser aufkochen, die Haferflocken einrühren und ausquellen lassen.
    Mit Obst servieren.
  • Nach Belieben mit Zitronensaft, Zimt oder etwas Süßstoff süßen.
    Für herzhafte Varianten die Haferflocken in fettfreier Gemüsebrühe ausquellen lassen und mit 50 g gedünstetem Lauch oder Brokkoli anrichten.

Um auf die Bedeutung der Ernährung bei Diabetes aufmerksam zu machen, steht auch der diesjährige Tag der gesunden Ernährung am 07. März unter dem Motto „Diabetes mellitus“. Allerdings wird der Aktionstag, der in diesem Jahr zum 24. Mal statt findet, Pandemie-bedingt vom Veranstalter VFED e.V. vertagt. Sobald möglich, werde auch ich in die Aktionsplanung gehen.

Bleiben Sie gesund!

Ihre

Stephanie Mißler